Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren der Verwaltung,
liebe Kolleginnen und Kollegen im Rat,
liebe Bürgerinnen und Bürger,
der Haushaltsentwurf, über den wir heute beraten, ist unter schwierigen finanziellen
Rahmenbedingungen entstanden. Steigende Pflichtausgaben, ausbleibende
Schlüsselzuweisungen und externe Belastungen schränken den Handlungsspielraum unserer
Gemeinde spürbar ein.
Unser Dank gilt der Verwaltung, insbesondere Annette Höller, die als Kämmerin ihren letzten
Haushaltsplan für unsere Gemeinde aufgestellt hat. Unter diesen Bedingungen haben Sie einen
geordneten und belastbaren Haushalt vorgelegt. Wir wünschen Ihnen, Frau Höller, alles Gute für
den anstehenden Ruhestand. Ebenso danken wir den vielen Ehrenamtlichen in Vereinen,
Initiativen und Nachbarschaften, die Reken zusammenhalten. Ohne dieses Engagement wäre
unsere Gemeinde nicht das, was sie ist.
Stabilität sichern – Zukunft gestalten
Der vorliegende Haushalt erhält die Handlungsfähigkeit der Gemeinde: Pflichtaufgaben werden
erfüllt, einige notwendige Investitionen sind möglich, und Reken bleibt schuldenfrei. Diese
Stabilität ist wichtig – gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten.
Gleichzeitig ist klar: Diese Stabilität wird auch durch den Einsatz von Rücklagen erreicht. Diese
verschaffen Zeit, ersetzen aber keine langfristigen Antworten. Für uns gilt daher: Stabilität ja –
Stillstand nein.
Förderprogramme von Land und Bund können hier zusätzliche Spielräume eröffnen. Sie
ermöglichen wichtige und sinnvolle Investitionen, setzen aber zugleich klare Grenzen. Umso
wichtiger ist ein strategischer Einsatz für Maßnahmen wie dem „NRW-Plan“, die heute
stabilisieren und morgen wirken. Zukunftsfähige Kommunalentwicklung bedeutet dabei mehr als
punktuelle Verbesserungen: Der öffentliche Raum muss insgesamt sicher, lebenswert und
generationsgerecht gestaltet werden. Aufenthaltsqualität, Klimaanpassung und Hitzeschutz sind
deshalb keine Nebenthemen, sondern Teil vorausschauender Politik, die uns an einigen Stellen im
Haushalt fehlen.
Soziales: Versorgung sichern, Prävention stärken
Im sozialen Bereich erfüllt die Gemeinde ihre gesetzlichen Aufgaben zuverlässig. Die
Grundversorgung ist gesichert, Leistungen werden erbracht und niemand wird allein gelassen.
Das ist eine wichtige und richtige Grundlage.
Darüber hinaus sehen wir Entwicklungspotenzial bei präventiven und ergänzenden Angeboten, die
den sozialen Zusammenhalt vor Ort stärken – insbesondere für Kinder, Jugendliche und Familien.
Uns ist bewusst, dass viele Zuständigkeiten beim Kreis liegen. Umso wichtiger ist es, die
kommunalen Spielräume, die im Haushalt und bei der Ausgestaltung freiwilliger Leistungen
bestehen, gezielt zu nutzen.
Dazu zählt aus unserer Sicht beispielsweise auch eine vorausschauende Wohnraumpolitik. Reken
sollte langfristig für unterschiedliche Lebensentwürfe attraktiv bleiben, nicht nur für diejenigen, die
sich ein Einfamilienhaus leisten können. Durch Planung, Flächenpolitik und Kooperationen kann
die Gemeinde Impulse für bezahlbaren und flächensparenden Wohnraum setzen, beispielsweise
durch genossenschaftliche Modelle, Azubi-Wohnungen oder kompaktere Bauformen.
Klimaschutz: Vorhandenes konsequent weiterentwickeln
Reken verfügt bereits über wichtige Bausteine im Klimaschutz. Ein Klimaschutzkonzept liegt vor,
Photovoltaikanlagen auf öffentlichen Gebäuden leisten ihren Beitrag, und das gemeindeeigene
Windrad zeigt, dass Klimaschutz und wirtschaftliche Weitsicht Hand in Hand gehen.
Was wir im Haushalt vermissen, ist die konsequente Weiterentwicklung dieser Ansätze. Das
vorhandene Klimaschutzkonzept muss fortgeschrieben und konsequent umgesetzt werden.
Maßnahmen zur Energieeinsparung und zur Klimaanpassung – etwa mit Blick auf
Starkregenereignisse wie im Sommer 2024 oder das extrem trockene Frühjahr 2025 – sollten
künftig stärker berücksichtigt werden. Hier handelt es sich um ein zentrales Zukunftsthema
kommunaler Daseinsvorsorge, das über die aktuelle Wärmeplanung hinausgeht.
Auch die lokale Wirtschaft spielt dabei eine wichtige Rolle. Die Gemeinde kann und sollte im
Rahmen ihrer Möglichkeiten als Impulsgeberin und Koordinatorin wirken – etwa durch Information,
Vernetzung oder begleitende Angebote für Betriebe auf dem Weg zu mehr Klimaneutralität.
Nachhaltige Wirtschaftsprojekte lassen sich nur gemeinsam mit den Unternehmen vor Ort
entwickeln, nicht durch kommunale Steuerung allein.
Gemeinschaft, Bildung und Sicherheit
Positiv bewerten wir die Investitionen in Kitas, Schulen, Jugendarbeit, Sportanlagen und die
Unterstützung des Ehrenamts. Diese Ausgaben sind nicht nur Pflichtaufgaben oder freiwillige
Leistungen, sondern gezielte Investitionen in den sozialen Zusammenhalt und die
Zukunftsfähigkeit unserer Gemeinde.
Feuerwehr und Rettungswesen sind unverzichtbare Bestandteile der kommunalen
Daseinsvorsorge, und die dafür vorgesehenen Mittel sind gut angelegt. Gleiches gilt für die
energetischen Sanierungen kommunaler Gebäude, die langfristig Kosten senken und zugleich
einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.
Unsere Entscheidung und unser Ausblick
Kommen wir jetzt aber zu unserer Entscheidung.
Kurz gesagt: Wir werden dem Haushaltsentwurf zustimmen.
Diese Zustimmung ist Ausdruck unserer Verantwortung für die Handlungsfähigkeit der Gemeinde.
Gleichzeitig verbinden wir sie mit einer klaren Erwartung an uns alle: Soziale, ökologische und
strukturelle Zukunftsthemen müssen in den kommenden Haushaltsjahren stärker in den
Mittelpunkt rücken.
Wir werden uns im nächsten Jahr mit eigenen Vorschlägen und klaren Schwerpunkten einbringen.
Die Herausforderungen sind benannt – nun gilt es, sie Schritt für Schritt anzugehen.
Schluss
Reken hat die Chance, auch unter schwierigen Rahmenbedingungen zukunftsfähig zu bleiben.
Dafür braucht es einen Haushalt, der Stabilität sichert – und eine Politik, die Verantwortung
übernimmt und vorausdenkt. Mit unserer heutigen Zustimmung tragen wir diese Stabilität mit und
setzen zugleich ein klares Zeichen: Der nächste Haushalt muss mehr Zukunft, mehr Vorsorge und
mehr Gestaltung enthalten.
Zum Abschluss möchten wir Ihnen allen eine besinnliche Weihnachtszeit wünschen – Zeit für
Ruhe, für Familie und für neue Kraft.
Für das kommende Jahr wünschen wir Ihnen Gesundheit, Zuversicht und einen guten Start ins
neue Jahr.
Lassen Sie uns auch 2026 gemeinsam daran arbeiten, Reken verantwortungsvoll, solidarisch und
zukunftsfähig weiterzuentwickeln.
Vielen Dank.
(Inga Lemme)
